100 Jahre KAB Kriens

Aus den Anfängen der KAB Kriens

Katholischer Arbeiterinnenverein Kriens

Am Nachmittag des 1. Mai 1904 hatte sich die stattliche Zahl von 88 Arbeiterinnen im Kirchbühlschulhaus versammelt, um einen Vortrag von Kanonikus Johann Baptist Jung aus St. Gallen anzuhören. Dieser hatte dort so wie in Rorschach bereits Arbeiterinnenvereine gegründet und sprach an jenem Nachmittag über Zweck und Ziel solcher Vereinigungen, nämlich der Weiterbildung der Frauen und Töchter, damit sie zum Wohle der Familie als tüchtige Hausfrauen walten konnten. Gründerin des Vereins war die Lehrerin Nina Schriber (später Schmid-Schriber), die ihn dann auch während vollen 33 Jahren als nimmermüde und äusserst aktive Präsidentin leitete. Sie war aber nicht nur für das Wohl der Frauen besorgt und trat schon um die Jahrhundertwende für das Frauenstimmrecht ein, sondern war auch regelmässig als Referentin bei Versammlungen des vier Jahre später gebildeten Arbeitervereins anzutreffen. Um den Zweck des Vereins zu erreichen, ging man sofort daran, Kurse für Weissnähen (damit sich die Töchter die Aussteuer selbst anfertigen konnten), Kleidermachen, Flicken und Bügeln zu organisieren. Später kamen noch andere Kurse hinzu, wie Servieren, Krankenpflege, Knabenschneidern, Handarbeiten, Backen usw. auch Finken wurden genäht. In Kriegs- und Krisenzeiten wurden Kochkisten angefertigt, zum Kochen ohne Gas und Strom. Wie ein roter Faden ziehen sich die Berichte über Kurse und Kursausstellungen durch die Jahre hin. Für all die vielen, uns heute meist unbekannten Kursleiterinnen sei wenigstens unsere liebe Frau Signorelli lobend und dankend erwähnt.
Ein weiterer, nicht minder wichtiger Zweck war die Sorge um gerechte Entlöhnung der Arbeiterinnen, für genügend Freizeit und rechtes Arbeitsklima. Jede Arbeiterin bekam eine Ausweiskarte; damit erhielt sie das Recht, je einmal im Jahr gratis Rechtsschutz bei einem ausgewählten Fürsprech zu beanspruchen. Als Mittelsperson zwischen den Arbeiterinnen in der Schappe und der Direktion fungierte während langen Jahren Fräulein Nina Waller, welche in dieser Eigenschaft verschiedene "Sträusse" ausgefochten hat. Auch einer Pensions- und Sterbekasse konnte man beitreten, während die Krankenkasse des Arbeitervereins auch den Frauen und Töchtern offenstand. Am 24. Mai 1905 wurde das Marienheim Kriens (das heutige Sales-Haus an der Fenkernstrasse 15) eingeweiht, wo auch der Arbeiterinnenverein Kriens Stubenrecht für Versammlungen und Kurse hatte und wo auch viele Fabrikarbeiterinnen wohnten und assen, und zwar zu einem annehmbaren Preis. 1933 war dann das Gallusheim bezugsbereit. Dort konnte der Verein ein Nählokal einrichten und ein Dutzend Nähmaschinen für seine stets gut besuchten Kurse aufstellen. Aber auch für den Geist wurde etwas getan, denn Vorträge, Filme, Lichtbilder usw. erfreuten und belehrten die Vereinsmitglieder. Ebenso wurde schon 1904 eine Gesangssektion gegründet die an Versammlungen, weltlichen und kirchlichen Anlässen auftrat und so viel zur Verschönerung der Gottesdienste und zur Gemütlichkeit beitrug. Gemäss den ersten Statuten von 1904 betrug der monatliche Beitrag 20 Rappen, und der Name des Vereins lautete "Verein katholischer weiblicher Angestellter und Arbeitnehmerinnen Luzerns und Umgebung". Dieser wurde später in "Katholischer Arbeiterinnenverein" geändert. An der Generalversammlung vom 28. Februar 1975 Vereinigte sich der Verein mit dem der Männer.

Christlichsozialer Arbeiter-Verein Kriens

Diese Vereinigung konstituierte sich am 27. Juli 1908. Als Tagespräsident amtete dabei der Giesser Josef Knüsel, und von den neun Anwesenden wurden gleich sieben in den Vorstand gewählt, wobei das Präsidium für die erste Amtsperiode dem Modellschreiner Anton Imbach übertragen wurde. Über die Entstehung gibt sein erster Jahresbericht trefflichen Aufschluss. "Die Gründung des Vereins ist mit der Auflösung der christlich-sozialen M.A. Gewerkschaft Kriens aufs engste verknüpft. Nachdem die im Oktober 1907 gegründete Gewerkschaft um Neujahr 1908 ihren Mitgliederbestand auf 20 Mann gebracht hatte, sank er leider im Laufe des Frühlings infolge Abreise der Mitglieder, zum Teil auch wegen Austritt, auf unter 10 Mann. Ersatz für den starken Abgang war nicht zu bekommen. Da mit einer langsamen Auflösung der Gewerkschaft jede christlich-soziale Tätigkeit auf hiesigem Platze für längere Zeit begraben worden wäre, wurde nach reiflicher Prüfung die Gründung eines Arbeitervereins beschlossen. Mit dem 30. Juni 1908 hatte die Gewerkschaft aufgehört zu existieren, doch hoffen wir, nicht auf immer."
Mit zuversichtlichem Elan machte man sich an die Arbeit und zuerst natürlich an die Mitgliederwerbung, und dies mit Erfolg, denn das Jahr 1909 begann mit 30 Mitgliedern und endete mit 60. Auf rege Vereinstätigkeit weisen auch die 15 Vorstandssitzungen und 11 Versammlungen hin. Trotzdem an diesen insgesamt 6 Referate sozialpolitischen Inhaltes geboten wurden, fand noch ein auf sieben Freitagabende verteilter, gemeinsam mit dem Arbeiterinnenverein durchgeführter sozialer Kurs grosse Nachfrage. Es beteiligten sich nämlich durchschnittlich 60 - 90 Personen. Aber auch in den folgenden Jahren wurde nebst der materiellen Verbesserung grosses Gewicht auf die geistige Schulung und Weiterbildung gelegt. Als treibende Kraft wirkte dabei die Präsidentin des Arbeiterinnenvereins, die Lehrerin Nina Schriber.
Zur Förderung der Religiosität unter den Mitgliedern wurde die quartalsweise gemeinsame Kommunion eingeführt und auch weitgehend eingehalten. Ferner wurde immer wieder zum Männerapostolat aufgerufen.
Unser im Sommer 1908 gegründete Verein muss mindestens dem Namen nach einen Vorgänger gehabt haben; denn in unserem Besitz befindet sich ein kleiner Pokal mit folgender Widmung:

Der katholische Männerverein der Stadt Luzern
dem katholischen Männer- & Arbeiterverein von Kriens
zur Erinnerung an die Fahnenweihe am 20. Januar 1901

Anderseits ist in unsern Akten, trotzdem die beiden Ereignisse nur sieben Jahre auseinander liegen, kein Hinweis auf diesen Verein zu finden.
Warum? Waren es politische Gründe? Anlässlich der zweiten Generalversammlung von 1910 erfuhr der Monatsbeitrag eine Erhöhung von 25 auf 30 Rappen für die Mitglieder ohne Vereinszeitung, die damals "Der Arbeiter" hiess. Für die andern änderte sich der Beitrag von 45 auf 50 Rappen. Eingezogen wurde der statutarische Obolus, der stets ein fixer Punkt der Traktanden bildete, jeweilen am Anfang jeder Versammlung. Unentschuldigt ferngebliebene Mitglieder hatten eine Busse von 20 Rappen zu entrichten. Man kann sich leicht vorstellen, dass der Kassier bei diesem System immer voll beschäftigt war. Nicht ohne Stolz berichtete der damalige Präsident, dass am 25. Februar 1913 innerhalb des bestehenden Vereins ein Gesangsklub gegründet worden sei. Jedenfalls bezeichnete er dieses Ereignis "als besondere Leistung im Berichtsjahr". Bis 1924 wirkte diese Gruppe an allen Versammlungen und Anlässen mit, als sie sich im Frühjahr vom Katholischen Arbeiterverein trennte und den "Sängerverein Pilatus" gründete. Die KAB jedoch ist heute noch stolz auf ihr einziges und "gefreutes" Kind.

Die KAB Kriens und die vergangenen Jahrzehnte

Die Fusion 1975

Der Zusammenschluss der beiden Vereine wirkte sich auf das Vereins- leben positiv aus. Können nun auch Ehepaare gemeinsam an den An- lässen teilnehmen. Zum Vorteil vom Vereinsleben ergänzen sich Frauen und Männer. War es vornehmlich in den Gründungsjahren die materielle Not welche die Mitglieder drückte, so ist in den letzten Jahrzehnten doch eine Sinnfindung im christlichen Geist im Vordergrund. Nachfolgend einige unvollständige Aufzählungen aus den Jahresprogrammen.

Bildung: Vorträge zu Themen wie Glaube, Kirche, Familie, andere Religionen, gesellschaftliche Themen (Christa Meves), Besichtigung der Coop-Bäckerei , Alphorn-Herstellung, Klosterbesichtigung, Dia- und Film-abende. Religiöses: Messfeier in einer Schreinerei, Mitgestaltung von Pfarrei-Gottesdiensten, Gedächtnis für die ver-storbenen Mitglieder, Maiandacht und Kreuzweg. Kurse und Aktionen: Nähkurse über Jahrzehnte (Adi Signorelli 1904-2003), Glasritzen und Gewürzdekorationen, Karten herstellen, Ausstellung von Figuren auf Schloss Schauensee, Sammlungen und Verkauf für die Drittwelt (Brücke und andere Organisationen), Kleidersammlungen und Gebrauchsgegenstände für Rumänien, Arbeiten für unseren Bazar.
Traditioneller Bergtag: Seit vielen Jahren wird auf Grauenstein mit den Nachbarsektionen ein Gottesdienst gefeiert und anschliessendem Beisammensein bei Spiel und Tombola . Das Treffen fand vor Jahren im Juni und heute immer anfangs September statt. Gemütlichkeit: Jass- und Spielabende, Raclette auf Grauenstein, Muttertags-brunch im Zentrum St. Franziskus, Samichlaus- u. Adventsfeier, Senioren-Höcks, Bärgzmorge, Vereinsausflüge und Wanderungen, Grillabend, Mini-Golf, Sonntags-Höcks und andere Anlässe.

Jubiläumsjahr 1985 mit Bazar

75 Jahre KAB Kriens
mit Verspätung gefeiert
50 Jahre Bergheim Grauenstein

Der Vorstand hat eine mehrseitige Jubiläumsschrift herausgegeben. Wo Interessantes über die Anfänge der KAB, das Bergheim Grauenstein und Persönlichkeiten der KAB zu lesen ist. Der Bazar zu Gunsten vom Bergheim Grauenstein wurde am 25.-27.Oktober im Zentrum St. Franziskus - Senti durchgeführt. Der Reingewinn von 40'000 Franken durfte sich sehen lassen. Hauptverantwortliche vom Bazar waren Rita Peter und Marlies Schmid (1944-1999). Weitere Schwerpunkte im Jubiläumsjahr: Der Fest-gottesdienst mit dem Sängerverein Pilatus in einer Werkhalle der Bell-Maschinenfabrik AG. Anschliessendes Mittagessen mit Generalversammlung im Pfarreiheim Bruder Klaus. Der Jubiläums-Bergtag war leider verregnet. Die Vereinsreise am 9. Juni führte mit zwei Heggli-Cars nach Wolfwil zum Gottesdienst und von Langenthal mit dem Zug nach Solo-thurn. Nach dem Mittagessen erfreute sich die Reisegruppe an einer Aare- Flussfahrt und der Zobighalt gab es auf der Rückreise in Ufhusen.

Alle Aktivitäten waren für interessierte Personen offen. Vorträge fanden auch mit den Frauen- und Müttergemeinschaften statt. Erfreulicherweise wurde in den letzten Jahren die Zusammenarbeit mit der Kolpingsfamilie Kriens verstärkt. Der Sängerverein Pilatus benützt gerne das Bergheim für Höcks und verschönert mit seinem Gesang verschiedene Anlässe der KAB. Durch die Vielfalt der Veranstaltungen konnten jederzeit neue Mitglieder gewonnen werden. Besonders sind jüngere Personen erwünscht. Eine Stärke der KAB ist der Familiengeist eingebettet im grösseren Verband der Pfarrei. Die gute Kameradschaft mit gegenseitiger Achtung helfen mit das Vereins-Schiff auf Kurs zu halten.

Die KAB Kriens ist auch Mitglied der KAB des Kantons Luzern (Sektion) und der KAB Schweiz, der Dachorganisation aller KAB-Vereine der Schweiz.
Der jetzige Vorstand besteht aus einem Team von 10 Frauen und Männer.
Mitgliederbestand (Stand März 2004):
Aktive Einzelmitglieder 20 Männer, 31 Frauen und 55 Ehepaare,
Total 161 Aktivmitglieder.
Passive Total 53 Personen.

100 Jahre KAB Kriens 2004

Das Jubiläumsjahr

Das Jahr 2004 wurde anlässlich des hundertjährigen bestehns seit der Gründung am 1.Mai 1904 während des ganzen Jahres mit diversen Veranstaltungen gefeiert. Es wurde eine Begleitschrift als Jahresprogramm gedruckt welche die Geschichte der letzten hundert Jahre nochmals aufzeigte, aber auch über die divrsen Veranstaltungen durch das ganze Jahr informierte.

 


letzte Aktualisierung: 28.07.2005
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